Al Lavoro! Sonderausstellung im Volkskunstmuseum

Seit dem Spätmittelalter ist Tirol ein mehrsprachiges Land. Der Kontakt zwischen den deutsch- und den italienischsprachigen Gebieten ist intensiv, die kulturellen und sprachlichen Unterschiede spiegeln die Vielfalt des Landes wider. Im 19. Jahrhundert führen politische und wirtschaftliche Veränderungen zu einer verstärkten Migrationsbewegung. Viele Trentinerinnen und Trentiner ziehen in den nördlichen Landesteil, um dort im Eisenbahnbau, im Baugewerbe oder in der Textilindustrie zu arbeiten oder eine Ausbildung zu absolvieren. Innsbruck wird mehrsprachig.

Erst nationalistische Sichtweisen und die von deutschnationalen Eiferer*innen propagierte „Verwälschung“ führen zu Spannungen: Gesellschaftliche Konflikte werden zu Sprachproblemen umgedeutet. Die Unfähigkeit, dem Trentino Autonomie zuzugestehen, ist weiterer Nährboden. Diese Zeit prägt das Erscheinungsbild Tirols bis heute. Die Spannungen eskalieren 1904 in den „Fatti di Innsbruck“, blutigen Auseinandersetzungen zwischen italienischsprachigen und deutschnationalen Studierenden. Das Italienische wird in Tirol zunehmend als Fremdkörper wahrgenommen.

Die Sonderausstellung ist eine Kooperation mit dem Zentrum für MigrantInnen in Tirol (ZeMiT). Sie führt einen Ausstellungsschwerpunkt fort, durch welchen Migration einen sichtbaren Platz im Museum und in der Geschichtsschreibung Tirols erhält.

Ausstellungs- und Kurator*innenteam: Karl Berger, Gerhard Hetfleisch, Antonia Pidner

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